Perfektes Make-up, blitzendes Lächeln – und hinter dem Lidstrich eine Geschichte, die tiefer geht als jeder Kajalstrich. Visagistin Annekatrin Jäger (36) hatte gerade ihren Traumjob am Theater Eisenach ergattert, als das Schicksal ihr die Schminkpinsel entriss: Ein aggressives Glioblastom nistete sich in ihrem Kopf ein. Doch Aufgeben? Keine Option für die Frau aus Schweina, die selbst Narben in bronzefarbenen Highlighter verwandelt.
Der Traumjob am Theater

Es begann mit einem Aprilscherz, der keiner war: Am 1. April 2024 unterschrieb Annekatrin ihren Vertrag als Visagistin am Theater Eisenach. Endlich konnte sie jeden Tag Gesichter in Kunstwerke verwandeln – ein Leben zwischen Puderquasten, Scheinwerferlicht und Premierenapplaus.
Nur fünf Monate später fegte der Bühnenzauber ins Leere. Kopfschmerzen, Schwindel, Herzrasen – Signale, die man im Premierenstress leicht übersieht. Doch der Showdown sollte noch kommen.
Lassen Sie uns erleben, wie ein dramatischer Zusammenbruch alles veränderte …
Der Zusammenbruch

Im September 2024 bricht Annekatrin zu Hause zusammen. Ein Krampfanfall reißt sie aus jeder Routine, Notarzt und Blaulicht ersetzen plötzlich Lippenstift und Rouge. Im Krankenhaus lautet die erste Vermutung „Hirnschwellung“.
An ihrem 36. Geburtstag bekommt sie das Ticket zur Uniklinik Jena – MRT, CT, Hirnwasserprobe, Biopsie. Zwei Wochen warten, zwei Wochen Albtraum.
Doch was zeigte der Arzt, als er den Bildschirm drehte?
Diagnose Glioblastom

Die violetten Balken einer MRT-Aufnahme: pflaumengroß, bösartig, Glioblastom im Schläfenlappen. Annekatrin ist starr vor Schock, Tränen kommen erst eine Woche später auf der Couch. Statt Foundation prägt jetzt ein Wort ihr Leben: „Das Ding“.
Sie beschließt, dem Tumor Namen und Macht zu nehmen – spricht mit ihm, verspottet ihn, schwört: „Wenn ich sterbe, stirbst du mit.“
Wie kämpft man gegen ein „Ding“, das sich nicht schminken lässt?
Operationen zwischen Hoffnung und Angst

November 2024, sieben Stunden Schädelöffnung, Miniblutungen, Drainagen. April 2025, zweite Operation, erneut sieben Stunden. Narben ziehen sich wie Zickzackblitze über ihre Kopfhaut – doch Annekatrin trägt sie offen oder versteckt sie unter einer Echthaarperücke, je nach Laune.
Jede Narbe ist ein Statement: „Ich lebe noch.“ Vier Zyklen Chemotherapie warten, aber die Visagistin hält fest: „Das Leben geht weiter.“
Und dann kommt Hightech ins Spiel …
Hightech-Kampf mit Optune

Seit Februar 2025 hat sie ein 1,2-Kilo-Gerät im Rucksack: Optune, 25 000 Euro Mietkosten im Monat, von der Kasse bezahlt. Elektroden-Arrays unter der Perücke schicken Tumortherapiefelder direkt ins Gehirn – 18 Stunden täglich.
Sie nennt das Gerät liebevoll „mein Stromkästchen“, dekoriert die Kabel mit bunten Stoffhüllen. Wenn Kollegen am Theater fragen, sagt sie: „Das ist mein tragbarer Flutlichtkegel für schlechte Tage.“
Doch wer fängt sie auf, wenn die Akkus leer sind?
Familie und Freunde als Rückgrat

Ehemann Christoph (37) hält ihr den Spiegel, wenn sie selbst nicht hinschauen mag. Tochter Charlotta (7) malt Herzchen auf die Verbandkappen. Kollegen picknicken zwischen Kulissen, wenn Chemo-Pausen es zulassen.
Gemeinsam stemmen sie Crowdfunding-Aktionen, organisieren Kuchenbasare – jeder Euro mehr Zeit, jeder Like ein digitales Schulterklopfen. Gemeinschaft wird Therapie.
Trotzdem gibt es Träume, die noch offen sind …
Ihre Liste unerfüllter Träume

Annekatrin will Klavier spielen lernen, einmal Nordlichter über Island schminken – und die Stars von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ vor der Kamera in Szene setzen. Sie plant weiter, als gäbe es nur Premiere und nie Dernière.
„Das Ding zerstört meine Träume nicht“, sagt sie und zieht die Augenbrauen in perfektem Bogen nach. Vielleicht wird der Tumor sie stoppen. Aber heute lebt sie – Rouge auf den Wangen, Hoffnung in der Tasche, Bühne frei.
Und damit endet dieser Blick hinter die Kulissen einer Frau, die dem Tod die Schminke verweigert.